Baumarteneignung im Klimawandel

Der Waldstandort bildet die essenzielle Grundlage für die Existenz von Waldlebensräumen. Da das Klima sich bereits verändert hat und zukünftig weitere Veränderungen (zum Beispiel im Wasserhaushalt, der Humusform, der Vegetationszeitlänge und bei Störungen) zu erwarten sind, unterliegen auch diese Standorte einer kontinuierlichen Veränderung. Bei der Einschätzung der Baumarteneignung muss daher die sogenannte Standortsdrift berücksichtigt werden. Das bedeutet, dass nicht nur die jetzige, sondern auch die zukünftige Eignung einer Baumart von Bedeutung ist.

Die Eignung kann entlang der Zeitachse variieren und ist nicht überall und für alle Baumarten deckungsgleich. Heute existierende oder neu gepflanzte Baumarten müssen ihre gesamte Lebensspanne, bis zur Ernte oder dem Zerfall, sowohl unter den derzeit herrschenden als auch unter den zukünftigen Klimabedingungen überleben können. Insbesondere bei jungen Bäumen, deren Wachstumsdauer bis zur Nutzung noch sehr lange ist, rückt die Berücksichtigung einer klimadynamischen Baumarteneignung stark in den Vordergrund.

Aktuelle Eignung durch Standortskartierung

Die Bewertung der Baumarteneignung erfolgt derzeit primär durch die Standortskartierung. Diese liefert in Form von Baumarteneignungstabellen die verlässlichste Datenquelle für die aktuelle Baumarteneignung, da sie auf umfassenden Erfahrungen und Beobachtungen aus Geländekartierungen basiert. Für jeden Naturraum oder Wuchsbezirk werden einige regional wichtige Baumarten als Hauptbaumarten eingestuft; dazu zählen beispielsweise Bergahorn, Buche, Douglasie, Fichte, Kiefer, Tanne und verschiedene Eichenarten. Die Standortskartierung bewertet jede dieser Hauptbaumarten anhand von vier Kriterien: Konkurrenz, Pfleglichkeit, Stabilität/Sicherheit und Leistung. Diese vier Einzelbewertungen münden in einer abschließenden Gesamtbeurteilung. Weitere, sogenannte (Neben-)Baumarten, werden in den Tabellen nur dann aufgeführt, wenn ihre Gesamtbeurteilung auf dem spezifischen Standort mindestens als „möglich“ eingestuft wird.

Ergänzung der Bewertung und Standortswald

Angesichts der steigenden Notwendigkeit einer Baumartendiversifizierung in den Waldbeständen gewinnen seltenere Baumarten zunehmend an waldbaulicher Relevanz. Aus diesem Grund werden die Baumarteneignungstabellen sukzessive um Bewertungen für diese Baumarten ergänzt. Sollte eine Baumart nicht in der Tabelle gelistet sein, kann das Tool „Abiotische Stabilität für Alternativbaumarten“ (AltBA) durch eine vereinfachte Abschätzung der bodenkundlichen Eignung Hinweise auf ihre Geeignetheit geben. Zudem sind im Standortswald (STW) einer spezifischen Standortseinheit oft mehr Baumarten vorhanden, als in der Tabelle aufgeführt. Der Standortswald beschreibt dabei die natürliche, lokale Baumartenzusammensetzung in Anlehnung an die heutige Potenzielle Natürliche Vegetation (hPNV). Alle Standortswaldbaumarten gelten grundsätzlich als standortsgerecht und umfassen in der Regel auch Baumarten mit einer gewissen Klimaanpassungsfähigkeit. Diese Informationen sind beispielsweise den Standortseinheitendatenblättern zu entnehmen, wobei die Neben- und Pionierbaumarten erst in neueren Kartierungen seit etwa 1995 detailliert aufgeführt werden.

Vielen Dank an die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg für die Bereitstellung der Informationen für diesen Artikel. Wenn Sie mehr über das Thema Wald aus wissenschaftlicher Sicht erfahren wollen, empfehlen wir Ihnen die folgende Seite: www.fva-bw.de.

Das vollständige Heft der FVA zum Thema können Sie hier herunterladen:

Heft 01_Baumarteneignung